|

Bei der täglichen Arbeit in der Schule fallen den Lehrerinnen und Lehrern in jeder Klasse Kinder auf, denen es schwer fällt sich zu konzentrieren, zuzuhören, mitzumachen oder Regeln einzuhalten.
Einige spielen den „Klassenclown", andere haben sich so zurückgezogen, dass sie gar nicht ansprechbar sind. Alle Kinder brauchen ein inneres Gleichgewicht, um erfolgreich und freudvoll ihr Leben in der Schule und zu Hause bewältigen zu können.
In unserer Welt der stetigen Veränderung und mangelnder Anbindung an Traditionen und Werte ist es für Kinder schwer, Sicherheit im Aufbau der Persönlichkeit zu erreichen. Die Persönlichkeitsbildung muss daher ein vorrangiger Auftrag der schulischen Arbeit sein.
Das legen auch die Richtlinien für die Grundschule NRW nahe:
„Die Grundschule.... hat die Aufgabe, alle Schüler unter Berücksichtigung ihrer individuellen Voraussetzungen in ihrer Persönlichkeitsentwicklung in den sozialen Verhaltensweisen sowie in ihren musischen und praktischen Fähigkeiten umfassend zu fördern...."
Hier genau setzt die Arbeit am Tonfeld an und leistet einen wichtigen Beitrag in der Pädagogik.
Ziel der Tonfeldarbeit ist es, in den Kindern Kräfte zu wecken, die – aus welchen Gründen auch immer – „auf Sparflamme kochen", verschüttet oder blockiert sind.
Die Arbeit kann auf die unterschiedlichsten Probleme positiv wirken:
- Bei Kindern, die dem Unterricht nicht folgen können, stören oder verstummen , überaktiv und/oder aggressiv sind, sich blockieren oder blockiert sind
- bei Angst vor Versagen
- bei Entwicklungsverzögerung
- bei mangelnder Ich- Stärke und schwachem Grundvertrauen
- bei mangelnder Selbstwahrnehmung
- bei sozialer und seelischer Überforderung
- bei zu hohem Leistungsanspruch
- bei zu verkopften Kindern
- bei Kindern, denen es schwer fällt, tragende soziale Kontakte aufzubauen.
Was geschieht in der Arbeit am Tonfeld?
Das Kind sitzt vor einem flachen, hölzernen Kasten, der mit weicher, heller Tonerde randvoll gefüllt und eingeebnet ist. Eine kleine Schale mit Wasser wird dazu gestellt.
Ohne Arbeitsauftrag gestaltet das Kind seine eigene Welt, nach seinen eigenen Regeln.
Das Kind greift in den Ton, rollt, reibt sich ein, quetscht, matscht, es spielt, gestaltet, fantasiert und findet einen individuellen Zugang und Umgang mit dem Gestaltmaterial, stellvertretend für seine Umwelt. Kinder haben hier die Möglichkeit, Schwierigkeiten ihres Alltags oder ihrer Biografie nonverbal über die Sinne zu verarbeiten.

In dieser Welt, die das Kind sich selber am Tonfeld schafft, in der es sich seinen Weg sucht, muss es von einer/m Begleiter/in gesehen und angesprochen werden. Die begleitende Person unterstützt das Kind in seinem Tun, ermuntert es, gibt Impulse. Es wird nichts bewertet oder abgelehnt. Dies ist notwendige Voraussetzung für die Ergreifung neuer Möglichkeiten zur Gestaltung seiner eigenen Persönlichkeitsentwicklung.

Die Erfahrungen, die das Kind im Schonraum des Tonfelds macht, übernimmt es in sein alltägliches Leben.
So kann ein Kind, das Angst, Verschlossenheit und Vereinsamung Gestalt werden lässt, sich zunehmend öffnen. Ein Kind, welches in den Tonfeldern Zerstörung, Gewalt, Abschied und Verlust gestaltet und ausdrückt und dabei gesehen und begleitet wird, lernt anders damit umzugehen. Die zuvor gebundene Energie wird frei für eine lustvolle Gestaltung der Lebenskraft. Ein Kind, das am Tonfeld spielerisch Situationen und Anforderungen des Lebens bewältigt, wird auch bald in realen Situationen, die ihm früher Angst einflößten oder es unsicher machten, mutiger und sicherer werden.

In der Regel arbeitet ein Kind einmal pro Woche mit der Begleiterin am Tonfeld. Wie viele Stunden es benötigt ist sehr abhängig vom Kind und seinem Problem. In der Regel sind 12 Arbeiten üblich, die von einem vertauensvollen Elterngespräch begleitet werden sollen.
An der Sudbrackschule hat eine in der Arbeit ausgebildete Beratungslehrerin die Arbeit am Tonfeld übernommen. Sie steht u.a. in enger Zusammenarbeit mit der Fachkraft in der Plaßschule Bielefeld, so dass die Arbeit ständig einer Kontrolle und Vertiefung zugeführt werden kann.

Sollten Sie noch Fragen oder Auskünfte bezüglich der Arbeit in der Schule wünschen, wenden Sie sich bitte zur Kontaktaufnahme an das Sekretariat.
Ansprechpartner an der Schule ist:
Gudrun Brinkmann, ausgebildet an der „Arbeit am Tonfeld" bei Frau Sigrid Kühn-Eschenbach und Prof. Heinz Deuser.
Die „Arbeit am Tonfeld" wurde von Prof. Heinz Deuser 1972 entwickelt und basiert auf der Grundlage der Theorie des Gestaltkreises nach Viktor von Weizäcker, der Analytischen Psychologie von C.G.Jung und entwicklungspsychologischen Erkenntnissen Neumanns, Piagets, Winnicotts, Ayres u a.
Wer mehr über die Arbeit am Tonfeld erfahren möchte, sei verwiesen auf die Internetseite www.arbeit-am-tonfeld.com
Im Greifen sich begreifen ---- Bewegung wird Gestalt
|